Ausfahrt „Wir entdecken unsere Heimat“

Juni 2018 – Ausfahrt „Wir entdecken unsere Heimat“ – Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal und Schloss Johannisberg des Fürsten Metternich,  Rheingau bei Rüdesheim

„Wenn Engel reisen“ – der Himmel war uns wohlgesonnen, bei schönem Sommerwetter trafen wir in Bacharach unsere Reiseführerin, die uns viel über die Geschichte der Loreley, geb. in Bacharach,  zu erzählen wusste, aber auch über den ‚lauernden/brüllenden Schieferfelsen‘, der so manchen Schiffer in die Tiefe zog, über Dichter, Denker und Künstler am Rhein – die Ruine Fürstenberg und Burg Stahleck vor Augen. – Mit der Fähre setzen wir über nach Kaub, viel angenehmer als seinerzeit Blücher mit 50.000 Soldaten, 15.000 Pferden und Tross. Wir bewundern Kirchen und Türme der Stadt, hören von Zerstörungen des kurpfälzischen Erbfolgekrieges und laufen auf der holperigen Buhne zum Denkmal der Loreley mit Blick rheinab auf Katz und Maus und erfahren viel über die zahlreichen Zollburgen der Grafen von Katzenelnbogen und anderer Wegelagerer am meist befah-renen Fluss der Welt. Durch das enge Forstbach-/Mühlental geht es dann steil hinauf zum Loreley-Plateau, wo wir Mittagspause machen und noch mehr hören über die Geschichte der längst gesprengten Felsen sowie Zeichen und Sicherheitsvorkehrungen der Rheinschiffahrt. Über 100 km Strecke gibt es keine Brücke am Fluss, so setzen wir erneut mit der Fähre über nach St. Goar mit seiner einladenden Uferpromenade und erleben eine lustige Führung durch die Altstadt und zur katholischen Pfarrkirche mit wunderschönen alten Gestühlen und Holzschnitzereien. Davor das Denkmal für St. Goar – nicht weit davon schlägt die größte Kuckucksuhr der Welt.

Nun geht es steil bergauf zur legendären Burg Rheinfels, die hoch das Tal überragt und über die Jahrhunderte schon viel hat kommen und gehen sehen: Gegründet 1245 und als Burg in 3 Jahren erbaut wurde sie später um die Festung erweitert und hatte stolze 90.000 qm Gesamtgelände, sechs Verliese für säumige Zollschuldner,  14 km Wehrgänge und den größten Vorratskeller in ganz Europa mit einer freitragenden Decke – imposant! Bei der Burgtour am strahlenden Sonntagmorgen lässt die erfahrene Burgführerin uns dies alles anschaulich wissen. Selbst der Sonnenkönig, der sie mit 28.000 Soldaten belagerte, konnte die Burg nicht erobern und zog unter 1/3 Verlust seiner Leute wieder ab. Erst im Erbfolgekrieg Ende des 17. Jhd. wurde sie von den Revolutionstruppen zerstört, wie so vieles längs des Rheins und in der Pfalz. – Zunächst sind wir aber noch bei einem sehr schönen Samstagabend im Romantikhotel der Burg, wo wir im Wintergarten mit unvergleichlichem Rhein- und Landschaftsblick in guter Gesellschaft das Dinner aus regionaler Küche erleben  und am Sonntagmorgen ebenso ein prächtiges Frühstück, während weiter unten die Rheinschiffe passieren.

Der Sonntag führt uns dann wieder rheinaufwärts nach Rüdesheim und in den Rheingau hinein, wo wir auf Schloss Johannisberg in herrlicher Lage Reben, Rosen und köstlichen Wein antreffen. Hier lebte für lange Zeit Fürst Metternich mit seiner russischen Gattin, ebenso leidenschaftlicher Weinbauer wie langjähriger Rennfahrer und Präsident des AvD.  – Ein ebenso beredter wie erfahrener Kenner von Schloss und Wein zeigt uns die schöne Umgebung,  Basilika St. Johannes von 1130 und den kühlen, imposanten Weinkeller im Kerzenschein, die älteste Flasche bei den Raritäten noch von Mönchen des 2. Klosters im 18. Jhd. ausgebaut! Hier gibt es viel zu fragen und zu sagen über die mehr als 1000jährige Geschichte des Weinguts, dessen Herr, der Fürstabt von Fulda, 1775/76 die erste Spätlese ausbauen ließ, und das nach dem erfolgreichen Wiener Kongress als Geschenk für seine Verdienste an Fürst Metternich ging – noch heute erhält Österreich jährlich 10% des Ertrags in Geld! ‚Unser‘ Fürst Metternich lebte auf dem Schloss von 1957 bis 1992, es blieb danach Witwensitz der Fürstin bis zu ihrem Tod 2004 und ist heute im Besitz der Familie Oetker, Bielefeld.

Erneut mit herrlichem Landschaftsblick von  der Terrasse aus schmecken wir einmal mehr die 1.650 Sonnenstunden, die den rheingauer Wein verwöhnen und genießen Spargel und Maischolle, ehe unser Bus mit gutem Chauffeur und bei vielen neuen Eindrücken uns rasch heimbringt in die Pfalz: Jeder Tag ohne Wein = ein Risiko für die Gesundheit (so ein anerkannter Herzspezialist) und Carl Zuckmayer „ Am Strome sein heißt, in der Fülle des Lebens stehn“.

R. L.

By | 2018-06-08T16:24:19+00:00 Juni 8th, 2018|Allgemein|0 Comments

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